Naturnaher Garten

Anlage eines naturnahen Gartens oder das nächste "Schutzgebiet" ist Ihr Garten!

In unseren Städten gibt es erfreulicherweise noch viele Vorgärten, Gemüsegärten oder Kleingartenanlagen. Leider besteht aber die Tendenz, Vorgärten zu Schotterflächen zu entwerten. Alle unsere heimischen Sträucher, Blütenpflanzen und Tiere stehen in Beziehung zueinander. Je vielfältiger ein Garten angelegt ist, desto gesünder und weniger anfällig für Schädlinge wird er sein. Jeder gärtnerische Eingriff hat Auswirkung auf die Artenzusammensetzung eines Gartens! Ein moderner, „sauberer“ Garten (Stichwort Mähroboter) bietet keinem Igel mehr Lebensraum und Schutz.

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Frühmorgens im Naturgarten

Wollen Sie Ihren Garten oder Teile davon in einen Naturgarten verwandeln? So geht's:

  • Den Rasen wachsen lassen (nicht jedes Wochenende mähen)
  • Unkräuter stehen lassen
  • Natürliche Unkraut- und Schädlingsbekämpfung der Chemischen vorziehen (Hacken, Absammeln oder das Abdecken mit Stroh, Jauchen etc.)
  • Laubhaufen und Schnittholz im Garten belassen
  • Bei der Pflanzenauswahl: heimische Pflanzenarten bevorzugen, ungefüllte Blütenpflanzen verwenden (Bei gefüllten Blütenpflanzen wurden die Staubblätter in Kronblätter umgewandelt, sie bieten Bienen kaum Nektar und Pollen).
  • Machen Sie sich so wenig Arbeit wie möglich, d.h. nehmen Sie sich Zeit, die natürlichen Vorgänge in ihrem Garten zu genießen!
    à Was wächst ohne Ihr Zutun? Beispielsweise Moose im Rasen, dort wo es schattig und feucht ist. Vielleicht wäre hier die Umwandlung in ein Staudenbeet (z.B. mit Farnen, Beinwell etc.) sinnvoller als zu versuchen, den Rasen zu kultivieren? Möglicherweise wüchse hier auch Bärlauch von alleine.

 

Ein Arbeiten mit der Natur wäre besser als gegen sie. Jeder Standort wird von den Lebewesen erobert, für die er am besten geeignet ist!

Was dieser Satz bedeutet liese sich auch am Beispiel von Hecken und Rasenflächen zeigen. Wir beschränken uns hier exemplarisch auf Säume.

Säume

Es handelt sich dabei um Übergangsbereiche. Man findet sie zum Beispiel an Gräben, Böschungen, Wegen, entlang von Zäunen und Mauern. Da hier verschiedenen Lebensräume aufeinander treffen, sind sie oftmals sehr artenreich. Wenn der Boden dort feucht und nährstoffreich ist, dann sind sie beispielsweise oft mit Brennesseln bestanden. 

 

Die Brennessel– (Un)Kraut oder Nützling?

Brennesselsaum
Brennesselsaum

Die Brennessel weiß sich zu wehren! Schon bei leichter Berührung kommt es zum unangenehmen Brennen. So schützt sich die Brennessel davor, von Feinden gefressen zu werden. Wie so oft, handelt es sich gerade bei sogenannten „Unkräutern“, welche häufig bei uns vorkommen um sehr nützliche Pflanzen.

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Vom Nutzen der Brennessel

 

Wer die Brennessel entfernt, zerstört einen Lebensraum:

 

Dieses sehr vereinfachten Nahrungsketten sollen Ihnen anhand der Brennessel verdeutlichen, das zwischen Pflanzen und Tieren Wechselbeziehungen stehen. Fällt nur ein Kettenglied aus, entsteht ein Ungleichgewicht. Fehlen z.B. die entsprechenden Blattläuse dann finden Marienkäfer keine Nahrung mehr. Entscheiden Sie sich für die Artenvielfalt in Ihrem Garten!

Piktogramme Nahrungsketten by 4k-s Büro für Gestaltung, Neubert und Schlottig GbR
Piktogramme Nahrungsketten by 4k-s Büro für Gestaltung, Neubert und Schlottig GbR

Sie haben Lust selbst zu gärtnern, besitzen jedoch keinen eigenen Garten? Dann werden Sie doch aktiv im Naturgarten Hortus nocte!

Natürliche Schädlingsbekämpfung

Gerade im Nutzgarten gibt es immer wieder ungebetene "Mitesser". Statt zu Insektiziden o.ä. zu greifen, ist es jedoch besser, möglichst viele Nützlinge zu fördern, die auf natürliche Weise für ein Gleichgewicht im Garten sorgen. Denn durch den Einsatz chemischer Mittel werden die Nützlinge oft mit vergiftet.

Schnecken

Schon im Frühjahr kann man bei der Bodenvorbereitung nach Eiern Ausschau halten und diese vernichten (Amseln lieben diesen Leckerbissen). Auch Hühner oder Enten übernehmen (unter Aufsicht) diese Aufgabe vor der Bepflanzung der Beete gerne.

Wenn man zwischen den Beeten Bretter auslegt, verstecken sich Nacktschnecken dort tagsüber. Dann kann man sie einfach absammeln. 

Jungpflanzen kann man durch Ringe aus Kupferblech oder durchsichtige Kunststoffhauben schützen, die man über jedes Pflänzchen stülpt und fest in den Boden steckt. Man muss nur aufpassen, dass es darunter nicht zu warm wird! Letztere kann man auch aus alten PET-Flaschen machen, indem man einfach den boden abschneidet.

Weinbergschnecke und Schnegel fressen übrigens gerne auch die Eier der Artgenossen, zählen also eher zu den Nützlingen im Garten.

 

Blattläuse

Jauche aus Brennessel: Frische Brennessel 1 Tag lang im Schatten in kaltem Regenwasser ansetzen und dann unverdünnt als Spritzmittel verwenden.

Jauchen eignen sich auch als Dünger - pflanzliche Stärkung ist der beste Schutz gegen Schädlinge aller Art! Dafür wird ein 10l-Behältnis mit frische geschnittenen Pflanzenteilen auf 10l Wasser 10 - 14 Tage angesetzt und täglich umgerührt. 1:10 verdünnt kann sie als Flüssigdünger an den Wurzeln angebracht werden. 

Eine geruchlose Alternative sind Brühen aus getrocknetem Material: 150 g getrocknetes Pflanzenmaterial auf 10 l Wasser ansetzen. 

 

Insekten

Leimringe, Gelbtafeln und Pheromonfallen eignen sich wunderbar. 

Gegen Blattlaus und andere Schädlinge sind Schwebfliegen, Florfliegen, Marienkäfer, Vögel und Kleinsäuger die besten Verbündeten.  Legen Sie deshalb Totholz- und Steinhaufen an:

 

  

Gärtnern ohne Torf

Kaum einer ahnt, dass die Gartenerde, die man im Baumarkt bekommt, zu einem Großteil aus Torf besteht. Dieser wird den letzten Mooren geraubt - in Norddeutschland, dem Baltikum usw... Beim Moorabbau werden riesige Mengen CO2 freigesetzt, was zur Klimaerwärmung beiträgt. Denn Moore speichern 6x so viel CO2 wie Wälder! Außerdem werden seltene Arten ausgerottet, die auf Moorlandschaften spezialisiert sind. Dazu gehören zum Beispiel die Bekassine, der Große Brachvogel und der Kiebitz. 

 

Dabei ist Torf im Garten sehr leicht ersetzbar:

- Legt man einen Komposthaufen an, so wird man Küchen- und Gartenabfälle los und produziert gleichzeitig wertvollen Dünger.

- Anzuchttöpfe aus Presstorf sind zum Beispiel durch ausgediente Eierkartons oder selbstgemachte Töpfe aus Papier leicht zu ersetzen.

 

Beim Einkauf können Sie darauf achten, dass Ihre Gartenerde nachweislich torffrei ist:

- "torf-reduziert" oder "torf-arm" heißt: Hier ist immer noch (teils in erheblichen Mengen) Torf enthalten!

- Auch sogenannte "Bio-Erde" kann durchaus Torf enthalten

- Das RAL-Gütesiegel auf torffreien Erden garantiert ein hochwertiges und ökologisch gutes Produkt

 

Sie besitzen selbst keinen eigenen Garten aber möchten sich trotzdem für die Natur einsetzen? Dann melden Sie sich bei uns - wir finden gemeinsam ein Projekt an dem Sie mitarbeiten können!